
Auch du kennst das vielleicht? Gespräche, die in Diskussionen und Machtkämpfen enden. Botschaften, die nicht ankommen. Situationen, die eskalieren. Eltern und Kinder, die sich wütend, traurig und hilflos fühlen. Dieser Beitrag zeigt Grundlagen und Impulse auf, wie wirkliches Zuhören und respektvolle Kommunikation im Alltag gelingen. In Verbindung statt Gegeneinander.
Sind wir die einzige Familie, wo Gespräche mit den Kindern immer wieder in Diskussionen, Machtkämpfen und Situationen enden, wo alle Beteiligten «gemeinsam auf die Palme klettern»? Nein. Das bestätigt Kommunikationstrainerin und Coach Susanna Vogel-Engeli aus ihrem Beratungsalltag – und zeigt der gefüllte Saal am ElternImpuls-Abend in Frauenfeld. Wir denken oft, wir sind falsch. Dem ist nicht so, alle Eltern sind mit ähnlichen Themen beschäftigt.
Die Einstiegsfrage in den Abend berührt: «Was wäre, wenn dein Kind das Glitzern in deinen Augen wieder sehen könnte? Jenes Funkeln, das es immer sah als es noch klein war und wir jeden seiner Schritte bewunderten?» Wir können den Blick auf unser Kind, unsere Haltung und damit unsere Kommunikation verändern. Die Verantwortung der Qualität der Beziehung zu unseren Kindern liegt nämlich bei uns selbst – ein liebevoller und klarer Reminder von Susanna ans Publikum.
Was ist die Basis für gute Gespräche? Bindung & Sicherheit. Kommunikation braucht Bindung. Bindung braucht Sicherheit. Sicherheit entsteht durch das Gefühl von «Ich fühle mich geborgen», «Ich werde geschützt», «Ich bin nicht allein». Unser Ur-Hirn (Reptilienhirn) scannt laufend seine Umgebung mit der Frage «bin ich hier sicher?». Fühlt es sich bedroht, gerät es in den Alarmmodus, den Überlebensmodus. Das «Denkhirn» geht sofort offline. Diskussionen sind in dem Moment zwecklos, das Gehirn nicht auf Empfang. Das Resultat: Wütende und schreiende Kinder (und Erwachsene). Sichere Bindung ist also kein Verwöhnprogramm, sondern biologische Notwendigkeit.
Ein wütendes, schreiendes Kind ist ein zutiefst verunsichertes Kind, das in dem Moment Verbindung mit uns benötigt. Diese Verbindung ist überlebenswichtig und die Basis für Kooperation. Denn Kinder sind in ihrem Wesen zutiefst kooperativ und möchten zum guten Gelingen beitragen.
Heutige Kinder sind anders als wir es waren, sie wachsen in einer ganz anderen Welt auf. Es gilt, neue Spielregeln zu finden – die alten funktionieren nicht mehr für das Spiel von heute. Nun ist es leider so, dass unsere eigenen alten Prägungen und Muster sehr gut sitzen und schnell das Steuer übernehmen. Unsere Kinder sind Meister darin, unsere «Knöpfe» zu drücken um diese alten Mechanismen und automatischen Reaktionen zu aktivieren. Und oft haben wir auch einfach keine Zeit, zuviel Programm um wirklich präsent zu sein und zuhören zu können.
Der Schlüssel ist – tadaaa – Selbstfürsorge! Und Atmen (statt sofort zu reagieren). Uns selber beruhigen. Unsere Kinder brauchen ein entspanntes Gegenüber. Einen Menschen, mit einem gut regulierten Nervensystem, der die innere Verbindung halten und das Kind in seiner Not wahrnehmen kann. Der sein Kind und die Situation nicht als Bedrohung sieht, dessen (erwachsenes) Reptilienhirn nicht in den Alarmzustand switcht, dessen Denkhirn nicht offline geht. Der ruhig bleibt, auch wenn Grenzen gesetzt werden müssen. Der weiss, dass Leben = tägliches Training – für Eltern und Kinder.
Die folgenden Tipps gibt Susanna Vogel-Engeli uns als Eltern mit:
Nur mit Verbindung hast du Einfluss
- Gemeinsame Mahlzeiten und Erlebnisse ermöglichen
- Auch von sich, dem eigenen Alltag, den Herausforderungen erzählen
- Exklusivzeit mit einem Elternteil anbieten
Kinder interpretieren Situationen oft anders als wir z.B. wenn Vater immer mit Sohn zum Fussballspielen geht und keine Aktivität mit Tochter, interpretiert Tochter, dass Vater sie wohl weniger liebt. Umgekehrt auch bei Müttern mit ihren Söhnen. - Kooperative Spiele statt Einzelwettkampf
Es gibt heute viele tolle Spiele, wo als Team eine Herausforderung gemeistert wird. Die Stimmung am Tisch wird eine ganz andere Qualität annehmen. - Liebessprache erkunden – Liebe bedingungslos schenken (ohne Leistung zu erhalten)
«Die fünf Sprachen der Liebe» nach Gary Chapman (Worte der Anerkennung, Zweisamkeit, Geschenke, Hilfsbereitschaft und körperliche Zuwendung) - Kinder in Lösungsfindungen mit einbeziehen
- Rituale geben Sicherheit
Gelingende Kommunikation
- Botschaften kommen nicht an: Verbindung und Empfang sicherstellen
Hört mich mein Kind akustisch, ist es versunken in eine Tätigkeit? - Ein Gespräch braucht einen passenden Rahmen – auch mit den Kindern
Einen Termin vereinbaren - Aus dem Machtkampf aussteigen – Eisen schmieden wenn es kalt ist
Ich brauche ein Timeout - Sich als Stossdämpfer anbieten und zuhören statt belehren, bewerten und erziehen
- Dem Kind Raum geben für seine Gefühle und Bedürfnisse
- Dein ehrliches Interesse und deine Einfühlung geben dem Kind Sicherheit und Nähe
- Regeln und Grenzen abmachen, Mut für Reibung
Wenn du «nein» sagst zu etwas, weisst du innerlich: Dieses Nein ist nicht gegen sondern für mein Kind. Du gibst damit Orientierung und Halt, und somit Sicherheit. Dein Kind braucht dich dann als äussere Regulation, seine Wut bedeutet nicht, dass die Grenze falsch ist. Es braucht unsere Unterstützung um mit dieser Grenze umzugehen. Die Wut nicht vermeiden, sondern begleiten.
Deine Reaktion, die deinem Kind hilft
- Du atmest gut ein und aus und regulierst dich damit selbst
- Du spürst die Füsse auf dem Boden, das gibt dir selbst Halt
- Du sagst dir innerlich «wir sind beide in Sicherheit»
- Es besteht keine Lebensgefahr, es ist «nur» mein Kind, das gerade ausser sich ist
- Ich muss die Wut nicht wegmachen, sondern begleiten. Sie darf da sein.
Was wünschst du dir für dich? Für dein Kind? Wo gelingt euch im Alltag heute schon Verbindung? Was sind deine/eure Kraftquellen? Es darf leicht sein: Mehr von dem tun, was heute schon gut funktioniert. Aufhören mit dem, was nicht (mehr) gewinnbringend ist.
Ich wünsche euch ein friedvolles Miteinander, frohes Training und ä gueti Zyt.
Wer noch mehr wissen oder sich begleiten lassen möchte:
Susanna Vogel-Engeli – Schatzkiste mit kostenlosen wertvollen Impulsen sowie Kursangebote für Erwachsene, Eltern, Paare
